Archiv

Archiv für Februar 5, 2012

Kirche heute, 6.Feb. 2012 – RSS

Februar 5, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

    Kirche heute, 6.Feb. 2012

  • Wie der Staat die Kirche finanziert
  • Warum sich das Christentum neu erfinden muss
  • Kirche nimmt den Staat in die Zange
  • Le rivelazioni di Viganò costringono il Vaticano a diffondere un’ulteriore precisazione
  • Problemi dei preti a convegno per discutere di pedofilia [La giornata]
  • Le Vatican rejette les accusations de corruption
  • Affaire Viganò, mise au point du Gouvernorat de la Cité du Vatican
  • Vatican prosecutor warns on Asia child abuse problem – AFP
  • Church falling behind in tackling clerical abuse in Asia

   Kirche heute, 6.Feb. 2012

Wie der Staat die Kirche finanziert

Februar 5, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Wie der Staat die Kirche finanziert   -  DerStandard
Wie viel die katholische Kirche in Österreich pro Jahr vom Staat kassiert und welches Vermögen sie besitzt, wissen die Kirchenvertreter oft selbst nicht

Wien – 15 Milliarden Euro erhalten Deutschlands Kirchen pro Jahr an staatlichen Subventionen. Dazu kommen etwa neun Milliarden an Kirchenbeiträgen und etwa 50 Milliarden für kirchliche Sozialeinrichtungen wie Caritas.

Die Zahlen sind unvollständig, was an dem schwer zugänglichen Material liegt. Doch es gibt Anhaltspunkte. Wer sich in Österreich über Kirchenfinanzen informieren möchte, tappt weitgehend im Dunkeln. Geht man davon aus, dass der Anteil der Gläubigen in Österreich und Deutschland etwa gleich hoch ist, dann müssten es – umgerechnet auf die Bevölkerung hierzulande – etwa 1,5 Milliarden Euro an Subventionen pro Jahr sein, und noch fünf Milliarden für soziale Einrichtungen. Dazu kommen die Kirchenbeiträge und das Grundvermögen der Kirche.

In Österreich konzentriert sich der klerikale Reichtum auf die katholische Kirche. 2011 waren 64,1 Prozent der Österreicher katholisch, etwa 5,5 Millionen Menschen. Abgeschlagen folgen die Muslime mit 400.000 und die evangelische Kirche mit rund 375.000 Mitgliedern.

Zahlen zu ihren finanziellen Verhältnissen sind von der katholischen Kirche nur bruchstückhaft zu bekommen. Auch untereinander kenne man die Vermögensverhältnisse nicht, heißt es aus der Erzdiözese Wien. Das liegt an den Strukturen: Eine Abtei etwa ist unabhängig von der Diözese, mit eigenem Vermögen. Die Kirche sei kein eigener Rechtskörper. So verfügen etwa die Stifte über Güter, Immobilien und Kunstschätze. Stift Klosterneuburg etwa vermietet 700 Häuser und Wohnungen mit einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro.

Das Gesamtvermögen der katholischen Kirche in Österreich zu beziffern ist nicht nur wegen der Zersplitterung unmöglich. Ein dichtes Netz an Beteiligungen und Grundbesitz zieht sich durch das Land. Die Initiative gegen Kirchenprivilegien hat versucht, die finanziellen Grundpfeiler der Kirchen aufzulisten:

  • Steuerprivilegien Die Kirche ist vom Stiftungs- und Fondsgesetz ausgenommen. Es gibt eine Grundsteuerbefreiung für Gebäude, die etwa für Gottesdienste genutzt werden können. Steuerentgang: 53 Millionen pro Jahr. Kirchensteuer und kirchliche Spenden sind steuerlich absetzbar. Steuerentgang: 124 Millionen.
  • Kindergärten und Schulen Gehälter von Religionslehrern zahlt der Staat. Kirchen haben das Recht, konfessionelle Privatschulen zu betreiben. Es gibt etwa 335 katholische und 30 evangelische Schulen, deren Lehrergehälter und Erhaltungskosten der Staat zahlt. Die Initiative gegen Kirchenprivilegien beziffert die Kosten für den gesamten Bildungsbereich mit 912 Millionen.
  • Grundbesitz Diözesen und Orden besitzen rund eine Viertelmillion Hektar an Grund und Boden. Dafür kassiert die Kirche indirekt Steuergeld – nach letzten Zahlen 2009 über vier Millionen an EU-Agrarsubventionen. Der kirchliche Waldbesitz liegt bei etwa 121.400 Hektar; exklusive Forstbetriebe unter 500 Hektar. Mit diesen würde sich die Zahl um 50 Prozent erhöhen, behauptet die Initiative: Bei einem Verkehrswert von einem Euro pro Quadratmeter ergeben sich 1,8 Milliarden Euro.
  • Medien Der ORF hat laut Vertrag Religionssendungen auszustrahlen. Die Initiative gegen Kirchenprivilegien hat berechnet, dass die gesendeten Minuten einem Wert von über 112 Millionen entsprächen. Das Niederösterreichische Pressehaus gehört zu 54 Prozent der Diözese St. Pölten. Der Katholische Medienverein hält Anteile an der Styria Medien AG, die etwa Presse, Kleine Zeitung oder Wirtschaftsblatt verlegt.
  • Beteiligungen Die katholische Kirche hält 85 Prozent der Bank Schelhammer & Schattera. Die wiederum ist mit 5,31 Prozent an der Casinos Austria AG beteiligt.
  • Entschädigung Der Vermögensvertrag, der 1960 abgeschlossen wurde, regelt Entschädigungszahlungen an die katholische Kirche für Beschlagnahmungen durch das Naziregime: 44 Millionen unbefristet und jährlich.

“Insgesamt genießt die Kirche Steuerbegünstigungen und Subventionen in Höhe von zwei Milliarden Euro pro Jahr”, sagt Niko Alm von der Initiative gegen Kirchenprivilegien, die ein Volksbegehren in Vorbereitung hat. Nicht miteinberechnet sind Spitäler und der Gesundheitsbereich. Die Initiative schätzt, dass der gesamte Bereich der Kirche insgesamt drei Milliarden Euro an direkten oder indirekten Förderungen erhält.

Das sei “mit Sicherheit zu hoch”, sagt Michael Prüller, Sprecher der Diözese Wien. Die Kirche habe zwar keine eigenen Schätzungen, aber diese Summe sei auf jeden Fall zu hoch gegriffen. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

Kirche nimmt den Staat in die Zange

Februar 5, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Kirche nimmt den Staat in die Zange

Die Kirche sei ein Staat im Staat, mit einzigartigem Recht, sagt der deutsche Kirchenkritiker Carsten Frerk – Wie viel die Kirche an Vermögen besitzt, lässt sich kaum berechnen

Standard: Der Staat zahlt jährlich Millionen an Förderungen für die Kirche. Warum?

Frerk: Weil es nicht gelungen ist, nach 1919 die Kirche zu demokratisieren. Viel von dem was wir heute im Staat-Kirche-Gefüge haben, sind Überbleibsel aus alten Zeiten. Ich hab vor kurzem ein wunderbares Bild gesehen: Präsident Heinz Fischer in der Mitte, umringt von Bischöfen, beinahe alle größer als er – Die Kirche, die den Staat in die Zange nimmt.

Standard: Wie kann es sein, dass der Staat zwar an Kirchen zahlt, aber kein Einblicksrecht hat?

Frerk: Die Kirche ist ein Staat im Staat, mit einzigartigem Recht. Als sie aus dem Staatsgebilde herausgelöst wurde, mussten etwa Bischöfe weiter bezahlt werden. Der Staat hat eingewilligt, die Zahlungen eine Zeitlang weiterlaufen zu lassen. Diese Übergangslösung haben wir jetzt über 90Jahre.
Weiterlesen

 

Warum sich das Christentum neu erfinden muss

Februar 5, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Warum sich das Christentum neu erfinden muss

 Was zählt ist Mitmenschlichkeit
Friedrich Schorlemmer über Hubertus Halbfas: »Warum sich das Christentum neu erfinden muss«

Ein katholischer Theologe begründet in einer Flugschrift, warum das Christentum sich neu erfinden muss. Die Kirchen befänden sich in einer fundamentalen Glaubenskrise, sagt Hubertus Halbfas, überall würde die Substanz der Tradition dahinschmelzen. Dem Verdunsten des christlichen Glaubens ist nicht mehr durch Kirchenreform beizukommen. Mut zu einem substanziellen, einem ehrlichen Nachdenken darüber, welche Tradition noch mit gutem Gewissen festgehalten und welche man hinter sich lassen muss, ist gefordert. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass er ausgerechnet den reformresistenten Josef Ratzinger an ein Diktum von 1972 erinnert: »Selbstgemachter und so schuldhafter Skandal ist es, wenn unter dem Vorwand, die Unabänderlichkeit des Glaubens zu schützen, nur die eigene Gestrigkeit verteidigt wird.«

Wer heutzutage einen Radiogottesdienst hört, reibt sich immer wieder die Augen, was da im Gebet alles dem lieben Gott zugeschrieben wird, was er denn tun müsste, was doch unsere ureigenste Aufgabe ist.

Halbfas polemisiert gegen einen passivmachenden Glauben und gegen ein Beten, das immer noch magischen Charakter trägt und sozusagen als ein Versteck vor der eigenen Verantwortung missbraucht wird. Er wagt sich an die als unumstößlich geltenden Traditionssätze heran, indem er das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis schlichtweg zu einem Vergangenheitsdokument erklärt. Keinen der Glaubenswächter scheint es zu stören, dass der historische Jesus mit seinem Reich-Gottes-Programm in diesem Bekenntnis gänzlich übergangen wird. Die Sprache des überlieferten Glaubens nennt er verkalkt, abgestanden und verschlissen. Mit dem Wort »Gott« verbindet sich kaum noch prophetische Kraft, das Christentum welkt dahin. Eine Weitergabe der Glaubenstradition in den Familien entfällt weithin. Die Reaktion darauf ist ängstliches Schutzsuchen im Formelbestand der Tradition – ohne Nachfrage.

Die Bindekraft der Kirchen nimmt im selben Maße ab wie etwa bei Parteien oder Gewerkschaften.

Weiterlesen    (Neues Deutschland)

 

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.