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Archive for 27/01/2012

Bischof prangert Netz aus Korruption, Vetternwirtschaft und Seilschaften an – Spiegel

27/01/2012 3 Kommentare

Bischof prangert Korruption im Vatikan an – und wird versetzt  – Spiegel

Die Veröffentlichung geheimer Briefe bringt den Vatikan in Bedrängnis: In mehreren Schreiben an den Papst prangert ein Erzbischof und früherer hoher Verwaltungsbeamter Korruption im Kirchenstaat an – und beschwert sich über seine Versetzung in die USA.

Vatikanstadt – Vetternwirtschaft, Mauscheleien – und alles im Namen des Herrn: Der Vatikan sieht sich schweren Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Ein Bericht des italienischen TV-Senders La 7 vom Mittwochabend hat den Skandal publik gemacht. Seitdem bemüht sich der Vatikan um Schadensbegrenzung.

Die Vorwürfe wiegen besonders schwer, weil ein Insider sie erhebt: Erzbischof Carlo Maria Viganò, ehemals die Nummer zwei der Verwaltung des Vatikans. Die investigative Sendung zeigte Briefe Viganòs. Darin bat er Papst Benedikt XVI., nicht versetzt zu werden, nachdem er Korruption in dem Kirchenstaat offengelegt hatte. Viganò war seit 2009 in der Verwaltung des Vatikans für die Gärten, Gebäude, Straßen und Museen zuständig.In dem Schreiben wehrt sich Viganò zudem gegen eine Kampagne anderer hoher Offizieller des Vatikans. Die Gruppe wolle ihn versetzen lassen, weil er drastische Schritte unternommen habe, um Korruption und Vetternwirtschaft zu beenden.

„Heiliger Vater, meine Versetzung würde viel Orientierungslosigkeit und Entmutigung für die bedeuten, die daran glauben, dass es möglich ist, so viele Fälle von Korruption und Machtmissbrauch in der Verwaltung vieler Abteilungen aufzuklären“, schrieb Viganò dem Papst am 27. März 2011. In einem weiteren Schreiben am 4. April teilte der Bischof Benedikt XVI. mit, er habe entdeckt, dass die Verwaltung mancher Investments des Vatikans in die Hände italienischer Banker gelegt worden sei, „die mehr nach ihren als nach unseren Interessen schauen“. Im selben Brief schreibt Viganò zudem, dass allein eine finanzielle Transaktion im Dezember 2009 „uns zweieinhalb Millionen Dollar gekostet hat“.

Netz aus Korruption, Vetternwirtschaft und Seilschaften

In dem Bericht wurde ein Mann – laut La 7 einer der Banker – zitiert, der sagte, Viganò habe mit seiner hartnäckigen Forderung nach Transparenz und Wettbewerb den Ruf eines Aufräumers gehabt.

In Viganòs Briefen wird deutlich, dass er bei Amtsantritt auf ein Netz aus Korruption, Vetternwirtschaft und Seilschaften gestoßen war. Dieser Filz sei mit der Vergabe von Aufträgen an externe Unternehmen zu überhöhten Preisen verbunden gewesen. Teilweise sei mehr als doppelt so viel gezahlt worden, wie andere Anbieter verlangt hätten. So habe 2009 etwa die Krippe auf dem Petersplatz 550.000 Euro gekostet. Er habe das Budget dafür um 200.000 Euro reduziert, schreibt Viganò.

Der Vatikan bestätigte am Donnerstag die Authentizität der Briefe. Auf die Korruptionsvorwürfe ging die Mitteilung nicht ein. Die jetzige Verwaltung setze das korrekte und transparente Management fort, das Viganò angetrieben habe.

Gleichzeitig wurden die „fragwürdigen journalistischen Methoden“ des TV-Berichts und die „oberflächliche und unausgewogene Darstellung“ der Unterlagen kritisiert. Es sei traurig, dass vertrauliche Dokumente publiziert worden seien. Man werde sich notfalls auch juristisch wehren, um das Ansehen des Vatikans und die Ehre der moralisch aufrechten Personen zu schützen, die der Kirche dienten.

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Dissens: Rechte Gewalt unter Kirchenmitgliedern

27/01/2012 2 Kommentare

Domradio, Studie: Kirchenmitglieder wählen seltener NPD

EKD:  Schneider beklagt rechtes Gedankengut auch in der Kirche

Rechtes Gedankengut gebe es auch in Kirchengemeinden, räumte Schneider ein, der auch Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland ist. Diesem müsse mit Entschiedenheit entgegengetreten werden. „Christliche Nächstenliebe verlangt, mit Klarheit gegenüber rechtsextremistischen Haltungen jeder Art einzutreten“, warb der Theologe.

Evangelikale Christliche Rechte – Netzwerk der Intolleranz

27/01/2012 1 Kommentar

Evangelikale Christliche Rechte – Netzwerk der Intolleranz

Jörg Kronauer gibt in seinem Vortrag über die „christliche Rechte“ einen Überblick über den christlichen Fundamentalismus in Deutschland.

Mit Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. und seinem Vorgänger Johannes Paul II. drehen die erzkonservativen, rechten Kräfte des Katholizismus mit ihren Organisationen Opus Dei und Piusbruderschaft schon länger wieder das katholische Rad erfolgreich hinter das 2. Vatikanische Konzil zurück. Kronauer zeigte die Kölner Gemeinde St. Panthaleon, die Hauskirche des Opus Dei und einzige Gemeinde, der Ratzinger bei seinem Kölnbesuch 2005 seine Aufwartung machte.

Was den freien Journalisten aber viel mehr beunruhigt, das sind die freien Radikalen des evangelischen Milieus, die Evangelikalen. Deren Szene blüht und gedeiht hierzulande von der Öffentlichkeit noch weitestgehend unbeachtet oder marginialisiert. Wohlorganisiert in der „Evangelischen Allianz“ agieren die Fundamentalisten gegen die von der Moderne ach so aufgeweichte evangelische Amtskirche, die angesichts der Kirchenflucht den Zulauf der Extremisten nur neidisch und anbiedernd bestaunen kann: zur Allianz gehören inzwischen 1,3 Millionen Mitglieder, Tendenz steigend.

Einerseits davon überzeugt, im Besitz der unkritisierbaren Wahrheit zu sein, und andererseits davon getrieben, dass sich wahrer Glaube nur in aktiver Mission äußert, überfluten sie die Gesellschaft mit ihren Massenveranstaltungen, Schulgründungen, Plakat-Aktionen und Medienerzeugnissen. Ihr Zentralorgan „idea spektrum“ hat eine steigende Auflage von inzwischen 30 000 Exemplaren. Ihr Chefredakteur und Macher Helmut Matthies ist gleichzeitig Autor und Mitglied im Freundeskreis der rechtsextremen Zeitung „Junge Freiheit“. Kronauer verwies auch auf das von Matthies 1976 herausgebrachte „Rotbuch Kirche“, in dem er sich über den Einfluss der Linken in der evangelischen Kirche beklagte und das südafrikanische Apartheidsregime gegen Kritik von evangelischer Seite verteidigte. Übrigens ist er seit 1982 als evangelischer Pfarrer ordiniert und für seine Arbeit bei idea beurlaubt. Die Medienagentur Idea wird zudem von der EKD finanziell mitgetragen.

Zum regen politischen Treiben der Evangelikalen gehören also antimoderne, antiemanzipatorische Kräfte wie christliche Lebensschutzvereine, die das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, die Gleichstellung von Lesben und Schwulen und jede Kritik an patriarchalen Verhältnissen bekämpfen. Welch Wunder, dass die amtierende Bundes-Familienministerin Kristina Schröder einer evangelikalen Gemeinde angehört. Mit Wolfgang Baake halten sich die Evangelikalen einen hauptamtlichen Lobbyisten beim Deutschen Bundestag. Baake ist auch verantwortlich für Presse und Öffentlichkeit der Evangelisationsveranstaltung ProChrist, in dessen Kuratorium sich der amtierende Bundespräsident Christian Wulff engagierte.

Der evangelikale „Kongress christlicher Führungskräfte“ ist eine alle zwei Jahre stattfindende Großveranstaltung, samt Preisverleihung an eine „christliche Führungskraft“, die als besonders engagierter Christ etwas „Außergewöhnliches geleistet“ hat und ehrenamtlich missionarisch und/oder diakonisch tätig war. Jedesmal kommen Ministerpräsidenten und auch der Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert als Gastredner und spenden der rechtsextrem-christlichen Veranstaltung ihren Segen. Hier wirkt bibeltreuer Kadavergehorsam bis ins die Spitze der Politik. Kronauer wusste auch zu berichten dass z.B. der Chef von Deichmann-Schuhen ein Evangelikaler ist. Wer aufmerksam ist, wird die Spendendosen in den Geschäften entdecken.

Nach dem sehr aufschlussreichen Überblick kam es noch zu einer langen und angeregten Diskussion der anwesenden linken Säkularen und Christen. Der ebenfalls anwesende evangelische Pfarrer der Castrop-Rauxeler Gemeinde war spürbar angegriffen, nannte die Evangelikalen „total wichtige Menschen“ für die Kirche und wünschte sich eine Neuauflage des Pietismus, weil dieser doch eine „progressive“ Bewegung gewesen sei.

Der Rest der Anwesenden sah da doch eher in den Vertretern von „Religionsfrei im Revier“ (RiR) das progressive Element und begegneten dieser neuen Organisation der Säkularen mit vielen Fragen, die noch bis Mitternacht erörtert wurden.

Ricarda Hinz
Buchempfehlungen:

„Der heilige Schein“ von David Berger, 2010

„Mission Gottesreich“ von Oda Lambrecht und Christian Baars, 2009

„Schleichende Übernahme“ von Peter Hertl, 2007

siehe auch Neo-fundamentalism

Kirche heute, 27.Jan. 2012 – RSS

27/01/2012 1 Kommentar

    Kirche heute, 27.Jan. 2012

  • Die Säkularisierung 2.0 kommt
  • Erste Schmerzensgeldklage gegen Kloster
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  • Kirchenaustritte: Kirche veröffentlichte Namen
  • Missbrauch: Hebelt Kirchenopfer die Verjährung aus?
  • Urteil: Zeugen Jehovas wie Kirchen behandeln
  • Erstmals Klage gegen r.k. Kirche wegen sexuellen Missbrauchs eingebracht
  • Kindesmissbrauch: Sechs Jahre Haft für katholischen Pfarrer
  • Jimmy Carter: „Zu viel Christentum im amerikanischen Wahlkampf“
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  • Vorarlberg – Missbrauch: Ehemaliger Zögling klagt Kloster auf 200.000 Euro
  • Studie zur Religiosität in Hessen – Hessen, wie habt ihr’s mit der Religion?
  • Interviews – Pater Mertes: Kirche hat aus Skandalen gelernt
  • La Chiesa deve ritrovare lo spirito della ‘Ecclesia militans’
  • Venezia, dodicenne chiede uguali spazi ricreativi per i piccoli non cattolici
  • Salto indietro in Israele: aumentano ultra-ortodossi
  • How religion is infiltrating public schools
  • New questions, challenges confront Episcopal-turned-Catholic leader
  • Forget religion, get 21st century morals: Richard Dawkins
  • Britain: A Christian country?
  • Wednesday Religion: Morals in a Time of Secularism – ABC
  • Morning Catholic must-reads: 26/01/12
  • La République ne doit pas financer les cultes religieux – Le Monde
  • Sondages d’opinion sur la religion

    Kirche heute, 27.Jan. 2012

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