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Krieg als religiöses Notstandsrecht: Sloterdijk über die Gewalt monotheistischer Religion – (2013) RheinischePost

Sloterdijk über die Gewalt der Religion

Düsseldorf (RP). Der Karlsruher Philosoph widmet sich in seinem neuen Essay den Ursprüngen und Wandlungen der Religionen.

An religiösem Denken kommt kein Philosoph vorbei. Denn wer unsere Existenz nach ihrem Sinn oder möglicherweise auch Unsinn befragt, landet zwangsläufig bei jenen, die darauf für sich schon eine Antwort gefunden haben. Die kann man teilen, und man kann sich daran stoßen – was spätestens seit der Aufklärung die meisten Denker auch getan haben. Weil solche Grenzziehungen selten eindeutig sind, haben selbst so pacellirenommierte Denker wie Jürgen Habermas den Wert einer religiösen Friedensorientierung erkannt und sich in Einzelfällen – etwa in der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik – auch an die Seite der Kirche gestellt.  ….

Danach sind religiöse Formen grundlegend für den Zusammenhang einer Gemeinschaft; sie schaffen eine Verbindlichkeit. Dabei kommt dem Monotheismus – dem Glauben an nur einen, allumfassenden Gott – eine besondere Bedeutung zu. In seiner Exklusivität sieht Sloterdijk eine Strategie zur Selbstbewahrung. Das Prinzip lautet nach seinen Worten: „Weil unser Gott wie kein anderer ist, wird auch unser Volk wie kein anderes sein.“ Diese Unvergleichlichkeit wird auch mit seiner Unsichtbarkeit erkauft. Bewahrt wird sie mit dem Imperativ „Du sollst dir kein Bildnis machen . . .“. Ein Bund wird geschlossen von Volksgott und Gottesvolk, und das ist nach Sloterdijk einzigartig. So habe nicht ein Volk seine Religion, sondern eine Religion ihr Volk gefunden..  ……

Die Urszene dazu ist ein im biblischen Buch Exodus erzählter Gewaltexzess. Als Moses vom Berg Sinai zurückkehrt und sein Volk lärmend um das neue Idol, das Goldene Kalb, tanzen sieht, zerschmettert er die Gesetzestafeln und fordert vom priesterlichen Stand der Leviten, dass jeder sein Schwert anlege, durch das Lager ziehe und seinen Bruder, seinen Freund und seinen Nächsten erschlage. „Die Leviten taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann“, heißt es. Eine Art religiöses Notstandsrecht werde damit exekutiert, so Sloterdijk.

via Düsseldorf: Sloterdijk über die Gewalt der Religion.

 

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