Startseite > Blogroll > Die sieben Versäumnisse des Journalismus – Gabor Steingart – Meedia

Die sieben Versäumnisse des Journalismus – Gabor Steingart – Meedia

Die sieben Versäumnisse des Journalismus

Rede von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart

„Wir haben uns unterwerfen lassen“, sagt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Mit „wir“ meint er die deutschen Journalisten. In einer Rede auf einer Veranstaltung der Kollegen von w&v listete Steingart am Donnerstag sieben Versäumnisse des deutschen Journalismus auf. Seine Forderung: „Weinerlichkeit ist ein für Journalisten unzulässiger Aggregatszustand.“ Und: Der Kampf um Leser werde mit geschärftem Verstand gewonnen, nicht mit dem Rechenschieber. MEEDIA dokumentiert die Rede.   ……..

1. Wir sind zu eintönig geworden. Die Methoden der publizistischen Telepathie – einer erfühlt, was der andere nicht denkt – erzeugen jenes Einheitsmaß der Inhalte, das selbst dem flüchtigen Leser wie eine innere Gleichschaltung erscheinen muss.  ……

2. Wir betreiben zuweilen Desinformation durch Information. Mit exzessiver
Detailfreudigkeit werden Banalitäten und Beiläufigkeiten vor dem Publikum ausgebreitet, bis auch die letzten Petitessen – die privat genutzte Bundestagsbahnfahrkarte des Kanzlerkandidaten, das Bobbycar des Präsidentenpaares, eine Thekenplauderei des FDP-Fraktionsvorsitzenden, die sexuellen Frühphantasien des Daniel Cohn-Bendit – zur Staatsaffäre aufsteigen, um binnen kürzester Zeit im medialen Nichts zu verglühen.   …….

3. Wir haben uns mit der Politik gemein gemacht. Nicht wenige politische Redakteure pilgern zu den Flachbauten der Parteipolitik als handele es sich um Kathedralen. Man sieht sich in einer Bedeutungskoalition mit den Parteigrößen.  ……..

4. Wir sind nicht ausreichend transparent. Der Herstellungsprozess von Fischstäbchen und Gummibärchen ist – dank strenger Lebensmittelgesetze – mittlerweile deutlich durchsichtiger als die Entstehung journalistischer Produkte. Von jeder Garnele kennen wir Eiweißgehalt, Aufzuchtbedingungen und Haltbarkeit. Von der Ware Information oft nicht mal den Herkunftsort.   …….

5. Das Wort „interaktiv“ wird von vielen Journalisten mit lästig übersetzt. Zeitungen sind oft nicht überall Wirtshäuser der Begegnung, sondern Orte der Verkündung. Hier tritt uns der Redakteur als Erleuchteter entgegen.  …..

6. Unsere Wirtschafts-Berichterstattung ist oft nicht auf der Höhe der Probleme. Die Staatsschuldenkrise – die die gesamte westliche Welt erfasst hat – wird hierzulande auf eine Euro-Krise oder gar auf eine Griechenlandkrise verkürzt. Damit werden die Vorgänge ihrer eigentlichen Urheber entledigt.   ……

7. Wir haben uns unterwerfen lassen. Ein entkräfteter Journalismus hat vielerorts zugelassen, dass die Kaste der Kaufleute das Kommando übernahm. Es kam zu einer Verschiebung in der inneren Machtarchitektur der Verlage. Seither begegnet uns der Bock in der Schürze des Gärtners.   …….

via Meedia: Die sieben Versäumnisse des Journalismus.

 

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 17/11/2013 um 07:40

Answer- Antwort - reponse - risposta

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: