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Die stille, zunehmende, katholische Macht bei sinkenden Mitgliederzahlen in Frankreich – WELT

Die stille, zunehmende, katholische Macht bei sinkenden Mitgliederzahlen in Frankreichs – WELT

Essay: Die stille Macht – WELT

Nur noch 56 Prozent der Franzosen sind katholisch. Aber der gesellschaftliche Einfluss dieses Milieus wächst. Es könnte François Fillon im Frühjahr zur Präsidentschaft verhelfen.  …

(Der) Satz, mit dem Sarkozy in Rom eine Grundüberzeugung der Republik infrage stellte: „Der Lehrer wird den Pfarrer nie ersetzen können.“

Genau dies war das Ziel der Dritten Republik gewesen, die mit der kostenlosen, laizistischen und obligatorischen Schule die Institution schaffen wollte, aus der loyale Staatsbürger hervorgehen würden. Mit der Attacke auf die kirchen- und glaubensferne Schule konnte Sarkozy Freunde im Vatikan gewinnen – zu Hause aber nahm man ihm seine „Predigt“ nicht ab. Das uneingeschränkte Vertrauen der katholischen Wähler hebdokonnte der zwei Mal geschiedene „Monsieur Bling-Bling“ nie gewinnen. Anders Fillon, der das wachsende Selbstbewusstsein der „Catosphère“ geschickt zum eigenen Vorteil nutzt. Auf den ersten Blick erscheint es dabei wenig aussichtsreich, im laizistischen Frankreich als katholischer Kandidat in die Präsidentschaftswahl zu gehen.  ….
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 Betrachtet man die Zahlen, ist die katholische Kirche in Frankreich auf dem Rückzug. Nur 56 Prozent der Bevölkerung sind noch katholisch, die Zahl der kirchlichen Taufen hat sich in einem Zeitraum von 20 Jahren halbiert. Die Statistik aber täuscht über den wachsenden Einfluss des katholischen Milieus hinweg; in den Medien ist von der „stillen Revolution der französischen Katholiken“ die Rede.
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Dabei ist diese „Revolution“ alles andere als still, sondern macht sich in der Öffentlichkeit immer stärker bemerkbar. Als die französischen Bischöfe ihn warnten, die Homo-Ehe zu legalisieren, soll François Hollande gelacht haben. Das Lachen ist ihm vergangen, seit sich gegen die „Mariage pour tous“ die „Manif pour tous“ formiert hat, eine Bewegung, der es immer wieder gelingt, mit ihren Demonstrationen („Manifestations“) Hunderttausende auf die Straße zu bringen. Als Benedikt XVI. im September 2008 Frankreich besuchte, rief er die Katholiken dazu auf, eine „positive Laizität“ zu praktizieren. Das hieß, sich loyal gegenüber der säkularen Republik zu verhalten und zugleich engagiert für die eigene Glaubensüberzeugung einzutreten.  ….
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Diese „positive Laizität“ hatte bereits der 2007 gestorbene Kardinal von Paris, Jean-Marie Lustiger, vorgelebt. Lustiger war der Sohn jüdischer Eltern, die aus Polen religion_dark_agesnach Frankreich eingewandert waren und nach der Besetzung des Landes von den Nazis deportiert wurden, seine Mutter wurde in Auschwitz ermordet. Lustiger überlebte, weil ihn eine Familie in Orléans versteckte. Als Teenager konvertierte er zum Katholizismus und wurde Priester und schließlich Kardinal. Der „Bulldozer“, wie er genannt wurde, rief die Katholiken dazu auf, ihren Kleinmut aufzugeben und sich aktiv, fast aggressiv in die Politik und das öffentliche Leben einzumischen.
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Seitdem spricht man in Frankreich von der „Generation Lustiger“, die heute ihre Inspiration von französischen Bischöfen erfährt, die gezeigt haben, dass sie eine aktive Rolle in der Zivilgesellschaft spielen können: Der Bischof von Toulon ist Doktor der Ökonomie und hat im Finanzministerium gearbeitet, der korsische Bischof diente als Offizier bei einer Elite-Einheit der Fallschirmjäger, der französische Militärbischof ist Absolvent der École polytechnique, und Kardinal Barbarin aus Lyon ist ein begeisterter Marathonläufer.  ….

Quelle: Essay: Die stille Macht – WELT

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