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US-Regierung und Vatikan: Duett im Dunkeln – Die Zeit

US-Regierung und Vatikan:  Duett im Dunkeln  (Résumé)
Von
 Julius Müller-Meiningen

Die Trump-Regierung will die Welt wieder christlicher machen.  …
Während Kardinal Burke sich in der katholischen Hierarchie auf dem absteigenden Ast befand, legte Stephen Bannon einen kometenhaften Aufstieg in die Spitze der US-amerikanischen Politik hin. Der 63-Jährige ist heute Chefberater Donald Trumps und oberster Stratege im Weißen Haus. Das macht ihn zu einem der einflussreichsten Menschen auf der Welt. … .

Burke gibt den katholischen Ideologen, den Wächter über die Moral. Bannon ist der Strippenzieher im Weißen Haus, im Cockpit der größten Weltmacht. Es handelt sich bei diesem Schulterschluss nicht um eine krude Verschwörung, sondern um einen offenen Feldzug gegen Säkularisierung und Islam. Ganz nebenbei tragen die beiden Männer ihren Teil zur Entstehung einer internationalen rechtspopulistischen Bewegung bei.  … Es handelt sich einfach um zwei Personen, die sich und ihre Arbeit gegenseitig bewundern.“ ….

Das amerikanische Online-Magazin Buzzfeed.com stellte ein Protokoll des Vortrags ins Internet unter dem Titel „So sieht Steve Bannon die ganze Welt“. Trumps Chefberater zufolge sind Säkularisierung und Islam die größten Bedrohungen für das jüdisch-christliche Abendland. …. Es sei an der Zeit, nicht nur zum eigenen Glauben zu stehen, sondern „für unsere Überzeugungen und gegen die beginnende neue Barbarei zu kämpfen“. Dazu zähle auch das kompromisslose Eintreten gegen Abtreibung und für ein traditionelles Eheverständnis.  …

Trumps Beraterkreis teilt zwar nicht alle extremen Ansichten des Chefstrategen. Aber der Präsident hat so viele rechtskonservative Christen um sich geschart, dass das Internetportal Lifesitenews.com wenige Tage nach der Amtseinführung jubelte: „Trump bringt Gott nach langer Abwesenheit zurück in die Bundesregierung.“

Da ist etwa die Sonderberaterin und Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway, eine strenge Katholikin, die täglich in die Messe geht. … Auch Sean Spicer, der Sprecher des Weißen Hauses, sei ein „Hardcore-Pro-Life-Katholik“. … „Trump hat verstanden, dass Gläubige in den vergangenen Jahren an den Rand gedrängt worden sind“, sagt Spicer. Das werde sich nun ändern. Auch Trumps Stabschef Reince Priebus ist strenggläubiger Christ … hütet ein liturgisches Buch im Büro und ist für eine kompromisslose Haltung in Sachen Abtreibung bekannt. Über Vizepräsident Mike Pence weiß man, dass er aus einer irisch-katholischen Familie stammt und in eine evangelikale Kirche übertrat. „Ich habe mein Leben Jesus Christus anvertraut“, sagte er einmal.  Auch der von Trump berufene CIA-Direktor Mike Pompeo gehört einer evangelikalen Kirche an … (und) behauptet: „Jesus Christus ist die einzige Lösung für unsere Welt.“ Trumps schon wieder zurückgetretener Sicherheitsberater Michael Flynn rundete die Sache vormals ab: Er wuchs in einer irisch-katholischen Familie auf. Flynn bezeichnete den Islam einmal als „Krebs“ und als „politische Ideologie“, die sich hinter dem „Label der Religion“ verstecke.

US-Regierung und Vatikan: Frisch ernannte Kardinäle während eines Festakts im Vatikan

Eine so offensichtlich und offensiv christliche Regierung gab es in den USA lange nicht mehr. Jetzt wird mit Religion wieder Politik gemacht. Bannon und Burke stehen an der Spitze einer sich formierenden weltweiten christlich-fundamentalistischen Allianz, die ihre Identität vor allem aus dem Kampf gegen Abtreibung, gegen Homosexuellenrechte und für traditionelle christliche Werte bezieht.  …. Beunruhigend daran ist vor allem, dass einige der Scharfmacher in Washington nun über Krieg und Frieden in der Welt mitentscheiden. …

Kardinal Burke zeigte sich nach Trumps Wahl alles andere als verstimmt. Er bezeichnete den Beraterstab des neuen US-Präsidenten am Tag nach der Wahl als „sehr verlässlich“. … Dass der dreimal geschiedene Bannon und sein in dritter Ehe verheirateter Chef Donald Trump es mit der strengen katholischen Moral nicht ganz so ernst nehmen, fällt offenbar nicht weiter ins Gewicht. …

Die Washington Post bezeichnete Burke jüngst als „rebellischen Kirchenfürsten, der seine Position im Vatikan ausnutzt, um extremistische Kräfte zu legitimieren, die die westliche liberale Demokratie zum Einsturz bringen wollen“.  … Auch der Kardinal bastelt offenbar an seinen politischen Beziehungen. Wie italienische Medien berichteten, empfing Burke vor wenigen Tagen Matteo Salvini, den Parteichef der fremdenfeindlichen Lega Nord, in seiner Wohnung am Vatikan. Die Lega ist das italienische Pendant zum französischen Front National oder der Alternative für Deutschland.  ….

Für den Papst wird die Lage in dieser Konstellation immer ungemütlicher. Franziskus muss mitansehen, wie der traditionalistische Flügel der katholischen Kirche gemeinsame Sache mit den politischen Widersachern des Papstes macht.  …

Auch Trumps Chefberater versteht die katholische Kirche als ideelles Bollwerk gegen den Islam. „Ich denke, unsere Vorfahren haben Haltung gezeigt“, sagte Bannon im Sommer 2014 via Skype in Anspielung auf die Religionskriege in der Vergangenheit. Bei den Schlachten in Wien oder Tours hätten die christlichen Ahnen dem Islam erfolgreich die Stirn geboten und den Nachfahren die „großartige Institution der römischen Westkirche“ als Erbe hinterlassen.  …

Benjamin Harnwell, der Verbindungsmann zwischen Bannon und Burke, der Gründer des Dignitatis-Humanae-Instituts, erkennt sogar Parallelen zwischen dem Aufstieg der Rechtspopulisten und einem Elitedenken im katholischen Klerus: „Unsere Pastoren haben in weiten Teilen eine elitäre Haltung an den Tag gelegt“, sagte Harnwell jüngst in einem Interview mit dem National Catholic Register. Der amerikanische Klerus habe trotz des vielen „Geredes über das Hinausgehen an die Peripherien“ die Menschen in Amerikas Mitte vergessen. Das solle der Kirche auch im Hinblick auf die anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland eine Lehre sein. Diese Aussage ist ein klarer Aufruf, die katholische Kirche möge den rechtspopulistischen Zug nicht verpassen, der gerade in Europa abfährt, sondern selber aufspringen.  ….

Das von Harnwell und einem konservativen britischen EU-Parlamentarier 2008 in Brüssel gegründete Institut versteht sich als Speerspitze „gegen wachsende säkularistische Intoleranz gegenüber Christen aller Konfessionen, die unzählige Angriffe auf die menschliche Würde zur Folge hatte“. ….  Ihre Unterstützung des Instituts haben unter anderem der … ehemalige Präsident des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), zugesagt. Pöttering, der heute Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung ist, erscheint auf dem Organigramm des Instituts als einer der Schirmherren. Präsident des Beirats ist Kardinal Burke höchstselbst.  …

Donald Trump und Papst Franziskus, der selbst eine klare Agenda gegen Abtreibung und Gender-Theorie verfolgt, könnten diese Frage Ende Mai unter vier Augen diskutieren. Donald Trump wird dann zum G-7-Gipfel in Taormina auf Sizilien erwartet. Seine Vorgänger nutzten solche Gipfeltreffen für eine Begegnung mit dem Papst, … (und) zweier Männer kommt, die voll auf einer Linie sind: Stephen Bannon und Raymond Leo Burke.

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  1. 20/02/2017 um 00:00

    Hat dies auf WENEZIA™ – Weidens neue Mitte! rebloggt.

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